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Zur Geschichte des Pilgerns

Ein Pilger ist einer, der „per agrum“, also von „über Land“, von jenseits des ager „romanus“ kommt, wobei mit ager nicht unser Acker, eben bebautes Feld gemeint ist, sondern das in Besitz befindliche, zur Civitas gehörige Land. Insofern ist Fremdling eine angemessene Übersetzung des Begriffes.

Wallfahrten sind im gewissen Sinne seit der Steinzeit bekannt, wobei unter anderem bestimmte Höhlen als heilige Orte angesehen wurden. In der Antike war einer der berühm-
testen Wallfahrtsorte Griechenlands der Tempel der Artemis in Ephesos.
Einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte der Welt ist seit dem Bau des ersten israelitischen Tempels bis heute Jerusalem, das zum zentralen Heiligtum der Juden wurde. Heute ist die Stadt allen drei monotheistischen Weltreligionen heilig: den Juden ebenso wie den Christen wegen Tod und Auferstehung Jesu Christi, die Muslime besuchen - außer ihrer Hadsch genannten Wallfahrt nach Mekka und Medina - bevorzugt den Felsendom in Jerusalem.

Seitdem im 4. Jahrhundert sich die Kunde verbreitete, Kaiserin Helena habe in Jerusalem, der Stadt, in der Jesus lebte, die Kreuzreliquien aufgefunden, mehrten sich die Wallfahrten nach Jerusalem. Dazu gehörten auch viele Frauen wie die geweihte Jungfrau Egeria, die vornehme Römerin Paula mit ihrer Tochter, der Jungfrau Eustochium, die zum Kreis um den heiligen Hieronymus gehörten, sowie die heilige Melania und ihre Großmutter gleichen Namens.

Die früheste schriftlich dokumentierte Reise eines christlichen Pilgers ins Heilige Land führte im Jahre 333 über den Landweg von Bordeaux nach Jerusalem; sie ist festgehalten im Itinerarium Burdigalense, einem auf Latein verfassten Reisehandbuch mit Angaben der Etappen auf dem Weg. Eine ähnlich große Bedeutung erlangte sehr bald Rom als Grabstätte der Apostel Petrus und Paulus. Später kam Santiago de Compostela hinzu, das vor allem wegen der ausgezeichneten Infrastruktur mit einem von Klöstern betreuten weitgespannten Herbergennetz im Mittelalter führend wurde.
Auch die Teilnehmer der Kreuzzüge ins Heilige Land verstanden sich selbst als (bewaffnete) Pilger.



Der Pilgerschutz durch den Ordre Du Temple

In der Zeit nach dem ersten Kreuzzug (1096–1099) war Jerusalem ein Anziehungspunkt für viele Pilger und Abenteurer aus Europa. Kurz nach dem ersten Kreuzzug stand der Seeweg offen. Die Straßen von der Küste ins Landesinnere waren jedoch sehr unsicher.
Die zahlreichen Pilger in den bergigen Regionen der Strecke von Jaffa über Ramla nach Jerusalem zogen Wegelagerer an. Der Großteil des Kreuzritterheeres war nach Europa zurückgekehrt, weshalb kaum Schutz vor Überfällen bestand. Es waren Hugo von Payns, Gottfried von Saint-Omer und sieben weitere französische Ritter, die daher einen Orden gründeten, dessen Aufgabe es sein sollte, die Straßen des heiligen Landes für die christlichen Reisenden zu sichern. Die Ritter legten vor dem Patriarchen von Jerusalem ein Ordensgelübde ab. Neben den „klassischen“ Gelübden, die sich auf Armut, Keuschheit und Gehorsam bezogen, verpflichteten sich die Ordensbrüder jedoch zudem, den Schutz der Pilger sicherzustellen. Nach der erfolgreichen Reconquista und Repoblación (
Rückeroberung und Wiederbesiedlung) übertrug man den im Heiligen Land bewährten Pilgerschutz durch die Tempelritter auch auf die Iberische Halbinsel.

So ist es nicht verwunderlich, dass auch wir es uns zur ersten Pflicht gemacht haben, die Pilger unserer Zeit zu begleiten, zu versorgen, zu beschützen - auf ihrem äußeren sowie auch ihrem inneren Pilgerweg.



Der Pilgerschutz durch den Ordre Du Temple in Deutschland

Die Geschichte der geistlichen Ritterorden und der Kreuzzüge hat einen gesamteuropäischen Charakter, der durch die Auseinandersetzung mit dem Islam zugleich über den europäischen Kulturkreis hinaus verweist. Zudem stehen die Beschäftigung mit den Kreuzzügen und den Ritterorden in einem internationalen Beziehungsgeflecht, insofern die mit ihrer Geschichte verbundenen aktuellen Probleme - von der Nahost-Krise bis zur europäischen Integration zunehmend an Bedeutung gewinnen. So verstehen wir auch heute unter dem Begriff Pilgerschutz Auftrag und Chance für ein friedvolles Nebeneinander von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religionen und Kulturen. Wir bemühen uns auf einem Kreuzzug der Liebe um Akzeptanz - nicht um Toleranz - und unsere künftigen Pilgerhäuser sollen immer auch offene Stätten der Begegnung sein, in denen man harmonisch zusammen kommen kann, um miteinander in Frieden zu leben und uns an Kunst, Kultur und Unterhaltung zu erfreuen und genau dies wäre für unser Verständnis eine gelungene Integration.

Denn "Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein: sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heisst beleidigen."
Johann Wolfgang von Goethe

WIR halten JEDER Prüfung stand.
äußere Weg
innere Weg
Jakobsweg
Pilgerschutz
Via Romea
"Wenn du voller schlechter Gedanken
bist, so bleibst Du doch weit von Christus entfernt, auch wenn Du nach Golgotha, zum Ölberg oder zur Auferstehungsstätte pilgerst"
Gregor von Nyssa, Bischof und Kirchenvater, * um 335/340; † nach 394
Roma - la città eterna!
Rom - die ewige Stadt.
Nicht unbedingt das kostengünstigste Pilgerziel, aber immer wieder sehenswert.
Der Felsendom in Jerusalem. Unbestritten das Highlight unter den Top-3 aller Pilgerziele.
Santiago de Compostela, "campus stellae" - das Sternenfeld. Großmeistersitz der Caballeros del Camino und seit dem Jahre 830 für viele Millionen Menschen ersehntes Ziel des Jakobsweges, der seit dem Heiligen Jahr 1976 eine Renaissance erlebt.



Der äußere Pilgerweg

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Kolorierte Erstausgabe der Romwegkarte, 1500. Nach Süden orientiert, wie alle Karten Etzlaubs. Mit dieser Karte hätten wir heute sicher große Orientierungsschwierigkeiten.



Die Via Romea

Als Via Romea, auch Romweg wird ein Weg bezeichnet, den Abt Albert von Stade im Jahre 1236 von Stade kommend auf einer Pilgerreise zum Papst nach Rom und zurück ging.
In seinen Reiseaufzeichnungen „Das Stader Itinerar“ hinterließ er den nachfolgenden Generationen eine detaillierte Beschreibung des Weges. Aufgrund dessen kann der Verlauf der Route rekonstruiert werden.
In Deutschland liegen die Pilgerorte: Stade, Celle, Edemissen, Braunschweig, Hornburg, Wernigerode, Hasselfelde, Nordhausen, Bad Langensalza, Gotha, Schmalkalden, Meiningen, Bad Neustadt, Münnerstadt, Schweinfurt, Würzburg, Ochsenfurt, Aub, Rothenburg ob der Tauber, Dinkelsbühl, Marktoffingen, Donauwörth, Augsburg, Igling, Schongau, Oberammergau, Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald. In Österreich liegen die Pilgerorte: Zirl, Innsbruck und Matrei. In Italien liegen Pilgerorte: Sterzing, Brixen, Bozen, Trient, Padua, Venedig, Ravenna, Forlì, Arezzo, Orvieto, Viterbo und schließlich Rom.
Der Wernigeröder Historiker und Amtsgerichtsrat Walther Grosse schrieb anlässlich der 700 Jahrfeier der Stadt Wernigerode 1929 das Buch "Geschichte der Stadt und Grafschaft Wernigerode". In diesem Buch schreibt er: "Durch das Wernigeröder Mühlental führte die bereits in der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts von Albert von Stade erwähnte hochwichtige Verkehrsstraße, die Italien und Tirol mit der Niederelbe und dem skandinavischen Norden verband und den Harz von Nordhausen über Hasselfelde nach Wernigerode überschritt".

In Hornburg wird der Abt an der Marienkapelle (heute: Marienkirche) gebetet haben, bevor er die Wasserstraße Richtung Braunschweig weiterzog. An der Mühlenilse steht die Katholische Papst-Clemens-Gedächtniskirche. Dort gibt es ein Heimatmuseum, in dem sich ein Papst-Clemens-Gedächtnisraum befindet.
Dieser Weg ist nicht identisch mit dem ebenfalls oft auch als „Via Romea“ bezeichneten Via Francigena.



Der Camino de Santiago
Unter dem Zeichen der Jakobsmuschel

In Deutschland begann die Ausweisung von Wegen erst 1992, als der evangelische Pfarrer Paul Geißendörfer zusammen mit sechs Jakobusgemeinden einen Pilgerweg von Rothenburg ob der Tauber nach Nürnberg realisierte.
Als Referenzprojekt für eine entsprechend den Bestimmungen des Europarats historisch genaue Route gilt der Pilgerweg von Nürnberg über Ulm nach Konstanz, der zwischen 1995 und 1999 nach zwei Berichten spätmittelalterlicher Jakobspilger in enger Anlehnung an den Verlauf einer Reichsstraße erarbeitet wurde. Seit 1999 erarbeiten die Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe das Projekt Wege der Jakobspilger im Rheinland und in Westfalen. In den neuen Bundesländern entstand 2003 als erste Route der Ökumenische Pilgerweg im historischen Verlauf der Via Regia von Görlitz nach Vacha. Seit 2005 werden die „Wege der Jakobspilger in Norddeutschland“ mit den beiden Hauptstrecken Via Baltica von Usedom nach Osnabrück und Via Jutlandica von Frederikshavn nach Glückstadt, letztere in dänisch-deutscher Zusammenarbeit, erarbeitet.
Für uns interessant ist die Tatsache, dass der Jakobsweg auch
über Braunschweig, Magdeburg, Berlin, Stettin nach Danzig führt und somit die Via Romea in Braunschweig kreuzt.



Wallfahrtsort im Elm
Königslutter

Die Stadt liegt mitten im Naturpark Elm-Lappwald und an der Nord-Ost-Seite des bewaldeten Höhenzugs Elm. Die nächsten größeren Städte sind Braunschweig etwa 23 km westlich, Wolfsburg etwa 20 km nördlich und die Kreisstadt Helmstedt liegt etwa 15 km östlich von Königslutter. Und dazwischen liegt Wasbüttel, wo sich heute das Ordensmeisteramt der Deutschen Sprache befindet. Durch Königslutter führt auch die Deutsche Fachwerkstraße.

Um 1200 entstand eine Wasserburg im Bereich des heutigen Amtsgerichtes. 1318 wurde das Dorf Lutter Marktflecken unter der Bezeichnung "forum Luttere" und erhielt von den Braunschweiger Herzögen um 1400 die Stadtrechte verliehen. Zwischen dem Stift mit dem Kaiserdom und dem Dorf gab es die Ansiedlung Oberlutter. Die günstige Verkehrslage an der Handelsstraße Braunschweig-Magdeburg (der heutigen B 1), der Elmkalksteinhandel, die Wallfahrten zum Kaiserdom und das Duckstein-Bier haben die Entwicklung Königslutters begünstigt. 73 Brauhäuser waren berechtigt, das obergärige Weizenbier mit dem kalkhaltigen Bachwasser der Lutter zu brauen. Viele der alten Fachwerkhäuser sind heute aufgrund ihrer geräumigen Diele und großen Gewölbekellern als frühere Brauhäuser zu erkennen. Duckstein-Bier wurde in großen Mengen in die Städte Magdeburg, Halle, Leipzig, Berlin, Hamburg, Kassel und auch bis in die Niederlande exportiert. Sehr geschätzt wurde es am Hof des preußischen Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I..

In unmittelbarer Nachbarschaft liegt die Gemeinde Süpplingenburg, wo sich die erste und letzte Templerkomturei in Deutschland befand. Sie konnte bis 1357 (!) von Tempelrittern gehalten werden, bevor sie in den vollen Besitz der Johanniter kam.

Die Kaiser-Lothar-Linde wurde im Jahr 1135 gepflanzt und ist somit 876 Jahre alt. Im Hintergrund sieht man den romanischen Kaiserdom, der im selben Jahr gestiftet wurde und um 1170 unter Heinrich dem Löwen fertig gestellt war.
Der Kaiserdom Königslutter wurde 1135 als Benediktiner-Abteikirche von Kaiser Lothar III. zu Ehren von St. Peter und Paul in Königslutter gestiftet.
Weiterführende Links - Informationen im Internet: