(v. lat.: spiritus = Geist, Hauch) bedeutet im weitesten Sinne eine Form von Geistigkeit, in der alles Wirkliche Geist oder Erscheinungsform des Geistes ist.

Spiritualität steht für die Verbindung zum Transzendenten oder der Unendlichkeit.

Religiöse Spiritualität ist auch eine Art Lebenspraxis.

Theologische Spiritualität bezeichnet die Auffassung, dass die menschliche Seele ihren oder der menschliche Geist seinen Ursprung einer göttlichen oder transzendenten Instanz verdankt oder zu einer absoluten höheren Wirklichkeit in Beziehung steht.

Unter christlicher Spiritualität versteht man eine spezifisch christliche Form von Spiritualität, die oft über Konfessionsgrenzen hinaus geht. Die Mitte christlicher Spiritualität ist Jesus Christus selbst, der den ihm nachfolgenden Christen die Verantwortung für die Welt von morgen aufträgt. Weder Weltsucht noch Weltflucht ist daher für einen Christen eine adäquate Spiritualität.


"Der Orden der Zukunft muss vor allem ein Orden lebendiger Spiritualität sein."




Spiritualität




Hundertfünfzehnter Psalm
Ein Loblied auf Gottes Hoheit und Huld

1 Als Israel herauszog aus Ägypten und Jakobs Haus das fremde Volk verließ,

2 Ist Juda Ihm zum Heiligtum geworden und Israel zu Seinem Reich.

3 Das sah das Meer und floh, der Jordan wandte sich zurück.

4 Die Berge hüpften wie die Widder, die Hügel wie die jungen Lämmer.

5 Was ist dir, warum fliehst du, Meer? Du, Jordan, warum weichest du zurück?

6 Ihr Berge, warum hüpft ihr wie die Widder, ihr Hügel, wie die jungen Lämmer?

7 Erbebe vor dem Anblick deines Herrn, du Erde, vor Jakobs Gott erzittere!

8 Er hat den Fels in einen See verwandelt, den nackten Stein in Wasserquellen.

9 Nicht uns, o Herr, nicht uns, nein, Deinem Namen gib die Ehre
um Deines Mitleids, Deiner Treue willen.

10 Weswegen sollen Heiden sagen: "Wo also ist ihr Gott?"

11 Im Himmel, da ist unser Gott; Er hat erschaffen alles, was Er wollte.

12 Aus Silber und aus Gold sind ihre Götzen, ein Werk aus Menschenhänden.

13 Sie haben einen Mund und sprechen nicht; Sie haben Augen und sie sehen nicht;

14 Sie haben Ohren und sie hören nicht; Sie haben Nasen und sie riechen nicht.

15 Sie haben Hände und berühren nichts, und Füße und sie gehen nicht;
aus ihrer Kehle kommt kein Laut.

Psalmus CXIII

1 Cum exiret Israel de Aegypto, domus Jacob de populo barbaro,

2 Factus est Juda sanctuarium ejus, Israel regnum ejus.

3 Mare vidit et fugit, Jordanis vertit se retrorsum.

4 Montes saltarunt ut arietes, colles, ut agnelli.

5 Quid est tibi, mare, quod fugis? Jordanis, quod vertis te retrorsum?

6 Montes, quod saltatis ut arietes, colles, ut agnelli?

7 A facie Domini contremisce, terra, a facie Dei Jacob.

8 Qui convertit petram in stagnum aquarum, rupem in fontes aquarum.

9 Non nobis, Domine, non nobis, sed nomini tuo da gloriam,
propter misericordiam tuam, propter fidelitatem tuam.

10 Quare dicant gentes: "Ubinam est Deus eorum?"

11 Deus noster in caelo est; omnia, quae voluit, fecit.

12 Idola eorum sunt argentum et aurum, opus manuum hominum.

13 Os habent, et non loquuntur; oculos habent, et non vident.

14 Aures habent, et non audiunt; nares habent, et non odorantur.

15 Manus habent, et non palpant; pedes habent, et non ambulant;
sonum non edunt gutture suo.


Der alte Weise Junaid von Bagdad hörte einmal einen Mann sagen, es sei heutzutage wirklich schwierig geworden, Brüder zu finden. Da wandte sich Junaid zu ihm und sagte: "Wenn du einen Bruder suchst, der deine Last mit dir teilt, ist es wahrhaftig schwer, Brüder zu finden, mein Lieber. Wenn du aber einen Bruder suchst, dessen Last du zu teilen bereit bist, dann wirst du an Brüdern keinen Mangel haben."
Die Geschichte spricht für sich selbst. Die Lehre, die darin steckt, versteht jeder von uns hier im Raum. Aber spricht sie uns noch an? Ist sie noch zeitgemäß? Passt sie in unsere Gesellschaft, in der so viele Sätze mit "Ich" beginnen - und so wenige Sätze mit "Du" oder "Wir"?

BRÜDERLICHKEIT
Magnificat

Mit den Worten Magnificat anima mea Dominum ("Meine Seele preist die Größe des Herrn,") beginnt auf lateinisch der psalmartige Lobgesang Marias, mit dem sie, nach der Ankündigung der Geburt Jesu durch den Erzengel Gabriel zu Besuch bei ihrer Base Elisabeth, auf deren prophetischen Gruß antwortet. Das Magnificat ist eines der drei Cantica des Lukasevangeliums (Lukas 1,46-55).

Magnificat anima mea Dominum,
et exsultavit spiritus meus in Deo salutari meo.
Quia respexit humilitatem ancillae suae.
Ecce enim ex hoc beatam me dicent omnes generationes.
Quia fecit mihi magna, qui potens est,
et sanctum nomen eius.
Et misericordia eius a progenie in progenies
timentibus eum.
Fecit potentiam in brachio suo,
dispersit superbos mente cordis sui.
Deposuit potentes de sede
et exaltavit humiles.
Esurientes implevit bonis
et divites dimisit inanes.
Suscepit Israel puerum suum,
recordatus misericordiae suae.
Sicut locutus est ad patres nostros,
Abraham et semini eius in saecula.
Gloria Patri et Filio
et Spiritui Sancto,
sicut erat in principio et nunc et semper
et in saecula saeculorum. Amen.

Meine Seele preist die Größe des Herrn,
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.
Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan,
und sein Name ist heilig.
Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht
über alle, die ihn fürchten.
Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:
Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind.
Er stürzt die Mächtigen vom Thron
und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben
und lässt die Reichen leer ausgehen.
Er nimmt sich seines Knechtes Israel an
und denkt an sein Erbarmen,
das er unseren Vätern verheißen hat,
Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn
und dem Heiligen Geist,
wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit
und in Ewigkeit. Amen.
Glorifizierung der Maria (Sandro Botticelli).
Salve Regina ist eine Marianische Antiphon.

Im Stundengebet wird sie vom Dreifaltigkeitssonntag bis zum Ende des Kirchenjahres (Christkönig) nach der Vesper oder Komplet gesungen.
Der Verfasser ist Hermannus Contractus (Hermann der Lahme, 1013-1054), dem auch die Antiphon Alma Redemptoris Mater zugeschrieben wird.
Den letzten Satz "O clemens, o pia, o dulcis virgo Maria" soll der Hl. Bernhard von Clairvaux aus Liebe zu Maria angefügt haben.

Salve, Regina, mater misericordiae,
vita, dulcedo, et spes nostra, salve.
Ad te clamamus exsules filii Hevae.
Ad te suspiramus,
gementes et flentes in hac lacrimarum valle.
Eia, ergo, advocata nostra,
illos tuos misericordes oculos ad nos converte.
Et Iesum, benedictum fructum ventris tui,
nobis post hoc exsilium ostende.
O clemens, O pia, O dulcis Virgo Maria. Amen.
Sei gegrüßt, o Königin,
Mutter der Barmherzigkeit,
unser Leben, uns're Wonne
und uns're Hoffnung, sei gegrüßt.
Zu dir rufen wir verbannte Kinder Evas,
zu dir seufzen wir
trauernd und weinend in diesem Tal der Tränen.
Wohlan denn, uns're Fürsprecherin,
wende deine barmherzigen Augen uns zu,
und nach diesem Elend zeige uns Jesus,
die gebenedeite Frucht deines Leibes.
O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria. Amen
Regina Militae Templi
Istanbul - Hagia Sophia
Reste eines Mosaiks



Bildergalerie

die Lage von Braunschweig in Deutschland
das Wappen von Braunschweig - zur offiziellen Website der Stadt Braunschweig
Braunschweig und der Braunschweiger Löwe auf der Ebstorfer Weltkarte (um 1300).
Braunschweig im Jahre 1641 (Matthäus Merian 1593-1650)
der Braunschweiger Löwe (das Original)
Siegel der Stadt von 1231 mit dem Standbild des Löwen
Die Burg Dankwarderode und Dom (rechts) im Mittelalter, Rekonstruktion des mutmaßlichen Zustands von 1200 (Nach einer Zeichnung von Ludwig Winter).
Gebetsmeditation in verschiedenen Sprachen zu unserem "Vater unser"!
Kontemplation

Kontemplation (von lat. contemplare: „anschauen, betrachten“) ist der spirituelle Gegenbegriff zur Aktion ("Tat"). Er bedeutet allgemein Beschaulichkeit. Schon die heidnischen römischen Priester sagten die Zukunft voraus, indem sie in einem bestimmten vorher definierten Bereich des Himmels, dem templum ("Tempel", Bereich, übersetzt auch Beobachtungsraum), den Vogelflug beobachteten und deuteten. Analog dazu war auf der Erde ein bestimmter heiliger Bezirk abgesteckt, der nur der Gottheit geweiht war, ebenfalls templum genannt. Beim kontemplativen Betrachten sah man auf die "himmlischen" und die "irdischen" Bereiche (Plural templa) zugleich.

 In christlicher Bedeutung ist die Kontemplation auch eine irdische Vorwegnahme der himmlischen visio beatifica, zumindest partiell. Durch die gesamte Geschichte christlicher Mystik hindurch haben sich vielfältige Erscheinungsformen der Kontemplation entwickelt. In moderner Zeit wurde das Ideal des in actione contemplativus (vgl. Ignatius von Loyola) beinahe vorherrschender Typus. Thomas von Aquin fasst die Kontemplation selbst als "höchste Tätigkeit" auf. Andere Mystikerinnen und Mystiker betonten die Liebesintensität des kontemplativen Menschen (z.B. Mechthild von Magdeburg). Vorstellungen vom Aufstieg zum Licht unterscheiden die via purgativa von der via illuminativa zur via unitiva (Reinigung, Erleuchtung, Einung). Johannes vom Kreuz erkannte in der dunklen Nacht des Glaubens die Kontemplation des Hl. Kreuzes. Das Barock wandte sich verstärkt der meditatio mortis, der Betrachtung des Todes zu. Zur Kontemplation im weiteren Sinne gehören auch Askese (Loslösung, "Gelassenheit") und geistliche Armut. Unter den Orden werden die kontemplativ genannt, die der betrachtetenden Anbetung Gottes den Vorrang vor dem tätigen Leben geben. Völlige Untätigkeit ist in der christlichen Spiritualität jedoch nicht vorgesehen, so dass auch die am strengsten kontemplativen Mönche (etwa die Kartäuser und Trappisten) in ihren Klöstern Arbeitszeiten haben.



 Quelle: „www.kathpedia.com/index.php/Kontemplation“

Überlegungen zum Psalm 115 (Psalmus CXIII)

Dieser Psalm ist ein Hymnus auf den Gott, der in der Zeit der Wüstenwanderung des Volkes Israel dieses zu „seinem Heiligtum“ erhob.

Die ganze Schöpfung nimmt auch an dieser Tat Gottes Anteil. Gott selbst wird im Bild des Felsens, der, von Moses geschlagen, Wasser gibt, zur lebendigen Quelle für sein Volk.

So ist er der Gott der Liebe und des Lebens; nicht ein toter Götze, sondern lebendigen Wassern vergleichbar. Seine Ehre ist der lebendige Mensch.

Dieses Wort stellt der heilige Irenäus von Lyon den Häretikern entgegen, die das Leben verachten und nur das Abgetötete, das Abgestorbene und Überwundene gelten lassen. Nicht seelenlose Idole loben den Herrn, sondern vielmehr die, welche leben und das Leben lieben! Es loben ihn, die aus der Gnade ein menschlich überzeugendes Leben gestalten, das allein Zeugnis des lebendigen Gottes sein kann, das vollendet wird in der Auferstehung, dem ewigen Leben in Gott.

Hast Du Dir schon einmal überlegt, warum die Tempelritter des alten Ordens ausgerechnet diesen Psalm zu ihrem Wahlspruch ausgewählt haben?

Was erzählt uns dieses „Loblied auf die Schöpfungs- und Gesetzestreue unseres Gottes“ heute? Wie können wir diesen Wahlspruch auf unser heutiges Leben - als Templer der Jetztzeit - übertragen und danach handeln?